Frühe Grabungen:
Qatna wurde wissenschaftlich von dem französischen Grafen Robert Du Mesnil du Buisson entdeckt. Er arbeitete zwischen 1924 und 1929 auf dem Ruinenhügel von Mischrife und konnte durch Tontafelfunde, die den Namen der Stadt nannten, die Identifizierung des Ortes mit dem alten Königtum Qatna sicherstellen. In vier Ausgrabungskampagnen konnte der Archäologe große Teile des königlichen Palastes, einige Stadttore, mehrere Gräber, sowie Gebäude aus der Eisenzeit aufdecken. Er publizierte diese Ergebnisse 1935 in einem Buch mit dem Titel „Le Site archéologique de Mishrifé-Qatna“. Seine wichtigsten Funde stellten – neben einer ägyptischen Sphinx - die Tontafeln mit Tempelinventaren aus dem Bereich des Königpalastes dar. Diesen Ausgrabungsbereich, den er „La butte de l`église“ nannte, interpretierte Du Mesnil du Buisson als einen kombinierten Tempel- und Palastkomplex. Dessen Grundriss konnte er allerdings nicht im Detail feststellen. Aus diesem Grund wurde 1999 mit einer erneuten Ausgrabung dieses Gebäudes begonnen, das nunmehr mit Sicherheit ausschließlich als Königspalast von Qatna angesprochen werden kann. Du Mesnil du Buisson verliess den Grabungsort 1929 endgültig. Daraufhin wurden die Ruinen, auch die freigelegten Reste des Palastes, vom modernen Dorf Mischrife vollständig überzogen. Nicht einmal die Lage des Palastes war innerhalb des neuen Lehmziegeldorfes mehr erkennbar.

Moderne Grabungen:
Auf Initiative der Syrischen Antikendirektion wurde das Dorf Mischrfe, das die alten Ruinen von Qatna fast vollständig bedeckte, zwischen 1980 und 1982 vollständig auf einen neuen Platz westlich des Ruinengeländes umgesiedelt. Dies ermöglichte die Einrichtung modernen archäologischer Ausgrabungen in Qatna.
1994 begann der syrische Archäologe Michel al-Maqdissi diese neuen Ausgrabungen mit einer syrischen Expedition, die sich auf drei Grabungsstellen im Umfeld des zentralen Kuppe innerhalb des Ruinengeländes konzentrierte. Im Jahre 1999 wurde auf Beschluß der syrischen Antikendirektion eine inter- nationale archäologische Expedition ins Leben gerufen, die aus drei Partnern bestand: einem Team der Antikendorektion Damaskus unter Leitung von Michel al-Maqdissi (im Jahr 1999 unter Leitung von Ammar Abdulrahman), einem Team der Universität Udine unter der Leitung von Daniele Morandi Bonacossi und einem Team der Universität Tübingen unter der Leitung von Peter Pfälzner. Das syrisch-italienisch-deutsche Kooperationsprojekt führte fünf erfolgreiche Grabungskampagnen von 1999 bis 2003 durch.
Ab dem Jahr 2004 wurden in einem neuen Abkommen drei unterschiedliche Missionen für die archäologische Ausgrabung von Tell Mishrife/ Qatna gegründet: eine syrische Mission unter der Leitung von Michel al-Maqdissi, eine syrisch-italienische Mission unter der gemeinsamen Leitung von Michel al-Maqdissi und Daniele Morandi Bonacossi und eine syrisch-deutsche Mission unter der Leitung von Michel al-Maqdissi und Peter Pfälzner. In dieser Konstellation wurden in den Jahren 2004 und 2005 weitere Ausgrabungen, Restaurierungen und Auswertungsarbeiten in Qatna durchgeführt.

Grabungsstellen:
Das deutsche Team hat seit 1999 seine Ausgrabungstätigkeiten ausschließlich auf den Königspalast von Qatna konzentriert. Es arbeitet im westlichen und mittleren Teil des Palastes, der als Grabungsstelle G bezeichnet wird. Im östlichen Teil des Palastes, der als Grabungsstelle H angesprochen wird, führt das italienische Team seit 1999 Ausgrabungen durch. Im Jahr 2003 schloss sich da syrische Team den Ausgrabungen im Palast an, in dem es die südliche Hälfte des Raumes A, des sog. « Cour du Trône » freilegt.
Das syrische Team konzentriert seine Ausgrabungen vorwiegend auf die Grabungsstelle C südlich des Palastes an der Westflanke der zentralen Kuppe, wo eine Besiedlung von der Mittleren Bronzezeit bis zur Eisenzeit erfasst wurde. Das italienische Team arbeitet ferner in der Grabungsstelle J, wo eine stratigraphische Sequenz über die gesamte Besiedlungsperiode des Tell Mischrife erforscht wurde, und in der Grabungsstelle K, wo eine palastartige Residenz aus der Späten Bronzezeit freigelegt wurde (LINK zu Homepage der Italiener).
